Von Walter Guttenberger
Ohne die von Herrn Siegfried Massier erstellte Chronik zum 100 jährigen Jubiläum, die inhaltlich die Entstehungsgeschichte der Turnbewegung bis hin zu den Vereinsgründungen veranschaulicht, könnte diese weitführende Chronik, als solche ist sie zu verstehen, nicht geschrieben werden. Herrn Massier sei deshalb an dieser Stelle für seine in mühevoller Kleinarbeit erstellte Chronik nochmals herzlichst gedankt.
Ziel dieser weiterführenden Chronik ist es, den zwischenzeitlich nach Nandlstadt zugezogenen Neubürgern nicht nur einen kurzen Abriss der Turnbewegung und somit auch des Sports zu vermitteln, sondern auch die Entstehung des TSV 1868 Nandlstadt aufzuzeigen. Diese Chronik, zum 125jährigen erstellt, beinhaltet darüber hinaus die Aktivitäten der jeweiligen Abteilungen im TSV, zumal sich durch Neugründungen gerade in den letzten 25 Jahren das sportliche Angebot erheblich vergrößert hat. Nachfolgend geben die einzelnen Abteilungen einen Abriss ihrer Entwicklung und Aktivitäten selbst.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfuhr die Turnbewegung, nach dem Zusammenbruch Preußens 1806 auf Initiative von Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) eine neue zweite Blüte. Die nationale Bewegung und mit ihr die Turnbewegung trat nach der Feier des deutschen Nationaldichters Friedrich Schiller 1859 um so machtvoller hervor und erfüllte die Menschen jener zeit mit Begeisterung. In den allgemeinen Turnfesten zu Coburg (1860), Berlin (1861) und Leipzig (1863) wurde diese Erneuerung demonstriert. Diese Entwicklung zeigte sich auch in den Vereinsgründungen, allerdings durch die Wirren vergangener Zeit (Kriege), immer wieder unterbrochen.
Die eigentliche Gründung des TSV 1868 Nandlstadt fand schon 1866 statt, ist aber mit 1868 überliefert, aufgenommen in den Bund der Deutschen Turnerschaft, der ebenfalls 1868 gegründet wurde. Es gab damals sicherlich eine Fahnenweihe, denn bis zum 2. Weltkrieg war diese alte Fahne vorhanden, die aber in den Kriegswirren 1945 verloren ging.
Jedenfalls feierte der TV (Turnverein) Nandlstadt zur 50-Jahr-Feier 1919 mit Vereinsfahnen sein Turnfest in Nandlstadt. Doch vorher schon, leider fehlen aus dieser zeit Bilder, feierte der Verein 1902 eine große Fahnenweihe mit Turnfest auf dem ehemaligen Posthalteranger am Bahnhof. 1909 nahm der TSV den Bau der alten Turnhalle in Angriff, finanziert aus Anleihen der Bürger und in Eigeninitiative.
1910 war dann Einweihung, verbunden mit einem großen Turnfest.
1919 feierte man etwas verspätet das 50. Gründungsfest und 1928 das 60., von dem uns noch ein Bild vorliegt.
60. Gründungsfest Turnerfest 1919
Gepflegt wurde zur damaligen Zeit Turnen, Faustball und Leichtathletik mit ansehnlichen Erfolgen. Um die gesellschaftlichen Höhenpunkte zu vervollständigen, die das Vereinsleben zusätzlich bereicherten, führte man Turnerbälle durch und gründete eine eigene Theaterabteilung, unterstützt durch ein eigenes Orchester.
Die Aktiven der damaligen Zeit, sei es im Bereich Turnen oder Faustball, erzielten Pokalsiege und Meisterschaften. Ein überragender Athlet in den leichtathletischen Disziplinen war H. Spanner. Er wurde 3facher Hallertauer, 3facher Bezirksmeister und belegte bei den oberbayer. Meisterschaften im Zehnkampf den 2. und im Fünfkampf den 3. Platz.
Eine große Ära des TSV Nandlstadt, unterbrochen durch den 2. Weltkrieg, ging zu Ende. Der letzte Vorstand, Franz Gebhard, ist aus dem Krieg, wie viele andere, nicht mehr heimgekehrt. Auch die alten Vereinsbücher und Niederschriften sind im Krieg verloren gegangen. 1954 kam das Turnen völlig zum Erliegen. Erst am 19.7.1958 fand im Bäckerbräu jene denkwürdige Generalversammlung statt, in der man beschloss, den Turnverein und die Spielvereinigung zusammenzuschließen. Der TSV 1868 Nandlstadt war aus der Taufe gehoben. Heute besteht der Verein aus fünf selbstständigen Abteilungen.
Stand: 20.12.2005 |